Der Grund warum ich höheres technisches Grundwissen nicht erklärte, ist: Es ist nicht einfach zu verstehen. Ein Leser muss sich damit auch auseinander setzen wollen - da es teils umfangreiches Vorwissen benötigt.
Ich bin in der Tat von der Grundausbildung Maschinenbau Ingenieur (keine Lehrer) - und genauso ein Pragmatiker. Warum selbst etwas wiederholen, was andernorts bereits hinreichend erklärt wird. z.B. in der Maschinenbaubibel.
Wer sich also für das WARUM interessiert, der soll sich bitte selbst dort einlesen und nicht erwarten, dass er etwas in einem Forum mundgerecht serviert bekommt. Aber ev. kann jemand anders kurz, einfach und verständlich erklären, was MB Studenten in den ersten beiden Semestern an der TU bis zum Erbrechen pauken müssen - ich kann sowas leider nicht.
Der tatsächlich Nutzen für den gemeinen Leser geht aus meiner Sicht auch gegen Null.
Wir rutschen hier vom operativen praktischen Teil zum eher trockenen theoretischen.
Oder bildlich gesprochen: Vom erfahrenen Mechaniker in der Werkstatt der weiß was er macht, zum studierten Ingenieur der auch begründen kann warum es so gemacht wird. Ist letzteres wirklich wichtig für den Hobbyschrauber daheim?
Eine gebrauchte M12x1,5 10.9 Schraube verträgt auch über 200Nm - mit einem normalen Radschlüssel wird es schon schwer eine solche Kraft auf zu bringen.
Und selbst wenn, passiert dort immer noch nichts.
In der Konstruktion haben wir früher immer scherzhaft gesagt: "Vergiss den DAU (Dümmsten Anzunehmenden User) nicht" - Etwas zynisch sind damit die Sicherheiten gemeint, die bei solch relevanten Bauteilen berücksichtigt werden.
In den letzten Beiträgen wurden auch die Gründe genannt, warum die genaue Drehmomenteinhaltung weniger relevant ist für den Schrauber daheim ist.
Entscheidend ist nämlich nicht das Anzugsmoment am Drehmomentschlüssel, sondern die resultierende Vorspannkraft und draus resultierende Reibung zwischen Rad und Nabe. Diese ist von vielen Faktoren abhängig, welche teils extrem stark variieren. Raus kommen Vorspannkräfte - die umgerechnet in Drehmomente, teils ein noch viel größere Spannweite aufweisen, als die von Mazda angegebenen Werte.
Der Drehmomentschlüssel daheim ist ganz nett. Sicherheitsrelevante Verschraubungen werden hingegen mit ganz anderen Verfahren angezogen.
Stufenweise Anziehen und Lösen inkl. Setzvorgänge wurde von Cubidus ja bereits angedeutet. Drehwinkel und Streckengrenzen gesteuertes Anziehen wären weitere und vor allem weit genauere.
Zusammengefasst:
Selbst mit einem Markendrehmomentschlüssel für mehrere hundert Euro sind in der Praxis effektive Toleranzen von >20% beim Anziehen einer Verschraubung möglich. (<100 bis >140Nm bei eingestellten 120Nm) Das alles wird von den Ingenieuren bei der Auslegung berücksichtigt, sonst dürfte auch niemand daheim selbst Räder wechseln und die Hersteller in ihrer BDA Drehmomentvorgeben geben.
Ich bin hier tatsächlich so überheblich und sage: Wer nicht weiß was er da am Auto macht, wie er es machen muss und was es bewirken kann, der sollte es auch eher nicht machen.
Ich möchte die Frage aber gerne nutzen und umdrehen:
- Wer hier wechselt seine Räder daheim selbst und zieht sie mit einem Drehmomentschlüssel an?
- Was wird dabei eingestellt und warum?
Ganz ohne zynischen Hintergrund.
User hier können sich hierzu gerne austauschen, ich halte mich aus oben genannten Gründen komplett raus.
PS:
Beim Radwechsel achte ich darauf, dass die Radauflage plan und sauber und die Mutter leichtgängig ist und ziehe nach Gefühl mit der Hand an. Nach ein paar KM kontrolliere ich und falls ich an meiner Werkstatt vorbei komme, lasse ich mit 120-130Nm "nachknicken".
* Unsere Seite enthält Affiliate-Links, für die unser Forum möglicherweise eine Vergütung bekommt.